Schlafapnoe: Was dahintersteckt und wie sie behandelt wird
Bei einer Schlafapnoe erschlafft im Schlaf die Muskulatur im Rachen so stark, dass die Atmung immer wieder länger als zehn Sekunden aussetzt. Häufige Gründe sind Übergewicht, der Bau von Kiefer und Rachen und Alkohol oder Beruhigungsmittel am Abend. Festgestellt wird sie mit einer Messung zu Hause oder im Schlaflabor. Bei mittelschwerer und schwerer Form ist meist ein Atemgerät mit Maske die erste Wahl, je nach Ursache gibt es auch andere Wege.
Sie gehen früh ins Bett, schlafen scheinbar durch und stehen morgens trotzdem auf wie gerädert. Nach dem Mittagessen fallen Ihnen im Sessel die Augen zu. Und dann sagt der Mensch, der neben Ihnen schläft, beim Frühstück einen Satz, der hängen bleibt: Sie hätten heute Nacht eine ganze Weile nicht geatmet. Sie selbst haben davon nichts gemerkt.
Genau das macht Schlafapnoe so schwer greifbar. Was nachts geschieht, bekommen Betroffene kaum mit, sie spüren nur den Tag danach. Deshalb hilft es sehr, wenn jemand im Haushalt beobachten kann, wie Sie schlafen 2.
Was im Schlaf passiert
Im Schlaf entspannt sich die Muskulatur im Rachen. Bei der häufigsten Form, der obstruktiven Schlafapnoe, erschlafft sie so stark, dass der Atemweg eng wird oder ganz zufällt 1. Dann kommt keine Luft mehr durch, und der Körper bekommt zu wenig Sauerstoff 3. Nach einer Weile setzt die Atmung wieder ein, oft mit einem Schnauben oder Japsen, und der Schlaf wird dabei immer wieder unterbrochen 2. Von einem Atemaussetzer sprechen Fachleute, wenn die Atmung länger als zehn Sekunden stockt 1.
Schnarchen allein ist übrigens harmlos. Eine Schlafapnoe liegt erst vor, wenn Aussetzer dazukommen 1.
Seltener ist die zentrale Schlafapnoe. Bei ihr ist der Atemweg frei, aber das Gehirn schickt zeitweise kein Signal zum Atmen 3. Um diese Form geht es hier nur am Rand.
Schätzungsweise jeder zehnte Erwachsene hat eine obstruktive Schlafapnoe, Männer öfter als Frauen. Ab etwa 45 Jahren steigt das Risiko stetig an 1. Jenseits der 50 ist das also alles andere als ein seltenes Thema.
Woher die Schlafapnoe kommt
Meist kommen mehrere Dinge zusammen. Häufig genannt werden 1 2:
- deutliches Übergewicht und ein kräftiger Hals
- große Mandeln, ein kleiner Unterkiefer, die Lage der Zunge oder ein kleines Gaumensegel
- eine Nase, durch die man schlecht Luft bekommt
- Alkohol sowie Schlaf- und Beruhigungsmittel, weil sie die Muskeln im Rachen zusätzlich entspannen
Auch Rauchen und Schlafapnoe in der Familie zählen dazu 2. Wer auf dem Rücken liegt, macht es dem Rachen schwerer, doch die Rückenlage allein ist selten die Ursache 1. Neben dem Gewicht ist häufig auch der Bau von Mund und Rachen beteiligt, und den hat sich niemand ausgesucht 1.
Woran Sie es merken können
Typisch sind lautes Schnarchen mit Pausen und eine große Müdigkeit am Tag, obwohl die Nacht eigentlich lang genug war 1. Dazu gibt es Zeichen, an die man zunächst gar nicht denkt 1:
- Schwitzen in der Nacht
- öfter raus zur Toilette müssen
- plötzliches Aufwachen mit Herzrasen oder Luftnot
- ein trockener Mund und Kopfschmerzen am Morgen
Mich hat überrascht, dass der nächtliche Gang zur Toilette auf dieser Liste steht. Den schiebt man leicht allein aufs Alter. Tagsüber können außerdem Konzentration und Stimmung leiden 2.

Warum sich die Abklärung lohnt
Wer Nacht für Nacht schlecht Luft bekommt, ist nicht nur müde. Unbehandelt kann die Schlafapnoe auf Dauer Herz und Blutdruck belasten 1. Das soll Ihnen keine Angst machen, aber es ist ein guter Grund, nicht jahrelang zu warten. Im Alltag kommt der Sekundenschlaf hinzu, etwa am Steuer 1. Der britische Gesundheitsdienst NHS rät, bei bestätigter starker Tagesmüdigkeit nicht Auto zu fahren, bis die Beschwerden im Griff sind 2.
Zur Einordnung gehört aber auch dies: Nicht jeder Aussetzer ist ein Problem. Wer nur selten kurze Aussetzer hat und sich tagsüber wach fühlt, hat meist keinen Anlass zur Sorge 1.
So wird Schlafapnoe festgestellt
Der erste Weg führt meist in die Hausarztpraxis. Dort geht es um Ihre Beschwerden und Gewohnheiten, dazu kommt eine körperliche Untersuchung 1. Oft bekommen Sie danach ein kleines Messgerät mit nach Hause. Es zeichnet eine Nacht lang Ihre Atmung, den Puls, den Sauerstoff im Blut, das Schnarchen und Ihre Schlaflage auf 1. Ist das auffällig, folgt meist eine Nacht im Schlaflabor. Dort werden zusätzlich Hirnströme sowie Augen- und Beinbewegungen gemessen 1. Die deutsche Leitlinie der Schlafmedizin sieht das Schlaflabor als die genaueste Untersuchung 4.
Mein Tipp: Fragen Sie vor dem Termin den Menschen, der neben Ihnen schläft, was er oder sie nachts hört, oder nehmen Sie ihn gleich mit. Solche Beobachtungen helfen der Ärztin bei der Einschätzung 2.
Am Ende wird gezählt, wie oft pro Stunde die Atmung aussetzt oder sehr flach wird. Fünf- bis 14-mal gilt als leicht, 15- bis 30-mal als mittelschwer, mehr als 30-mal als schwer 2. Nach diesem Wert richtet sich die Behandlung.
Wie Schlafapnoe behandelt wird
Bei mittelschwerer und schwerer Schlafapnoe ist meist ein Atemgerät mit Maske die erste Wahl 4, und bei einer schweren Form wirkt keine andere Behandlung so gut 1. Ich weiß, die Vorstellung, mit Schlauch und Maske im Gesicht zu schlafen, schreckt erst einmal ab. Dabei steht nur ein kleines Gerät neben dem Bett. Es pumpt mit leichtem Überdruck Raumluft durch den Schlauch und hält so den Rachen im Schlaf offen 1. Die Maske sitzt entweder über der Nase oder über Nase und Mund 2. Wer das Gerät nutzt, hat keine oder nur noch wenige Aussetzer, und die Müdigkeit am Tag kann spürbar nachlassen 1.
Die ersten Nächte können sich seltsam und ungewohnt anfühlen. Der NHS sagt das offen und rät trotzdem, dranzubleiben, denn am besten wirkt das Gerät, wenn man es jede Nacht nutzt 2. Manche empfinden die Maske als beengend, andere bekommen einen trockenen Hals oder eine gereizte, manchmal verstopfte Nase 1. Drückt die Maske oder stört das Gerät, ist das ein Grund für einen Termin bei der Ärztin, nicht dafür, das Gerät wegzulegen 2. Auch eine Schulung kann helfen, besser damit zurechtzukommen 1.

Bei leichter bis mittelschwerer Schlafapnoe nennt die Leitlinie auch eine Unterkieferschiene als Möglichkeit, besonders bei Menschen ohne starkes Übergewicht 4. Sie hält den Unterkiefer nachts ein Stück nach vorn. Anpassen und kontrollieren sollten sie Fachleute aus Zahnmedizin und Schlafmedizin gemeinsam 4. In einer Auswertung von sechs Studien senkte die Maske die Zahl der Aussetzer deutlicher als die Schiene. Bei der Müdigkeit am Tag fand sich kein klarer Unterschied 5. Eine Schiene aus dem Internet ersetzt diesen Weg nicht. Ob die Aussetzer tatsächlich weniger werden, zeigt nur eine neue Messung.
Daneben gibt es weitere Wege, die je nach Ursache infrage kommen:
- Abnehmen: Bei Übergewicht empfiehlt die Leitlinie es als Unterstützung 4. Es kann die Schlafapnoe lindern 1.
- Rückenlage vermeiden: Treten die Aussetzer vor allem auf dem Rücken auf, können Lagerungshilfen bei leichter bis mittlerer Form eine Option sein, wenn anderes nicht passt 1 4.
- Operation: Sehr große Mandeln können entfernt werden. Eine Operation an der Nase kommt infrage, wenn man wegen der verstopften Nase die Maske nicht verträgt 4. Eingriffe, bei denen Muskulatur am Gaumensegel entfernt wird, empfiehlt die Leitlinie nicht 4.
- Zungenschrittmacher: Ein kleines Implantat reizt den Nerv der Zunge mit schwachen elektrischen Impulsen 2. Er kommt für manche Menschen mit mittelschwerer bis schwerer Form infrage, die das Atemgerät nicht vertragen 4.
Tabletten gegen die Schlafapnoe selbst empfiehlt die Leitlinie nicht 4. Wenn Sie regelmäßig Schlaftabletten nehmen, erwähnen Sie das in der Praxis. Sie können eine Schlafapnoe verschlechtern, deshalb rät der NHS, sie nur auf ärztlichen Rat zu nehmen 2.
Wann Sie zur Ärztin oder zum Arzt gehen sollten
Gehen Sie in die Hausarztpraxis, wenn jemand nachts Atemaussetzer, Japsen oder Würgegeräusche bei Ihnen bemerkt. Das gilt auch, wenn Sie tagsüber dauerhaft müde sind, obwohl die Nacht lang genug war 2. Nicken Sie am Steuer ein, warten Sie mit dem Termin nicht lange und lassen Sie das Auto bis dahin besser stehen. Oft beginnt die Abklärung mit einer einzigen Messnacht im eigenen Bett 1.
Häufige Fragen
Warum entsteht Schlafapnoe?
Im Schlaf erschlafft die Muskulatur im Rachen so stark, dass der Atemweg eng wird oder zufällt. Begünstigt wird das durch Übergewicht, große Mandeln, einen kleinen Unterkiefer und eine schlecht durchgängige Nase. Auch Alkohol und Beruhigungsmittel am Abend tragen dazu bei.
Ist Schlafapnoe gefährlich?
Unbehandelt geht sie häufiger mit Bluthochdruck einher. Das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall ist erhöht, und durch die Müdigkeit steigt die Gefahr von Sekundenschlaf. Seltene, kurze Aussetzer ohne Müdigkeit am Tag sind meist kein Grund zur Sorge. Abklären lassen sollte man einen Verdacht trotzdem.
Muss ich mit Schlafapnoe immer eine Maske tragen?
Das hängt davon ab, wie ausgeprägt die Schlafapnoe ist und woher sie kommt. Bei leichter bis mittelschwerer Form kommen auch andere Wege infrage, etwa eine angepasste Unterkieferschiene oder das Abnehmen. Ob eine Behandlung reicht, zeigt eine erneute Messung.
Was tun, wenn die Schlafapnoe-Maske stört?
Ein trockener Hals, eine gereizte Nase oder eine drückende Maske kommen vor. Sprechen Sie das in der Praxis an, statt das Gerät wegzulegen. Es gibt zum Beispiel Masken nur für die Nase und solche für Nase und Mund.
Über Julia
Julia schreibt für Gesundroutine. Sie ist keine Ärztin: Jeder Artikel stützt sich auf verlinkte Studien und Fachquellen und ersetzt keinen Arztbesuch.
Mehr über michQuellen
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de (2026): Obstruktive Schlafapnoe
- National Health Service (NHS) (2026): Sleep apnoea
- National Heart, Lung, and Blood Institute (NHLBI), National Institutes of Health (2025): Sleep Apnea
- Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) (2017): German S3 Guideline Nonrestorative Sleep/Sleep Disorders, chapter „Sleep-Related Breathing Disorders in Adults“, short version (Mayer G. et al., Somnologie 21:290–301, DOI 10.1007/s11818-017-0136-2)
- Medicina Oral, Patología Oral y Cirugía Bucal (2017): Mandibular advancement devices vs nasal-continuous positive airway pressure in the treatment of obstructive sleep apnoea. Systematic review and meta-analysis (Cammaroto G. et al., DOI 10.4317/medoral.21671)
Stand: 18. Oktober 2026. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
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