Knieschmerzen: Was hilft und ab wann Sie damit zum Arzt sollten

Von Julia23. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit · 4 Quellen

Bei frischen Knieschmerzen können Entlasten, Kühlen und bei Bedarf ein Schmerzmittel aus der Apotheke helfen, bei länger bestehenden Schmerzen vor allem regelmäßige, angepasste Bewegung. Wird es nach einigen Wochen nicht besser, gehen Sie in die Hausarztpraxis. Bei sehr starken Schmerzen, Fieber mit rotem, warmem Knie oder wenn das Bein Sie nicht mehr trägt, holen Sie noch am selben Tag ärztlichen Rat.

Frau um die 60 spaziert an einem Herbstmorgen auf einem ebenen Parkweg
Ein Spaziergang ohne Steigung ist schon Bewegung, die zählt.Bild: KI-generiert

Sie stehen nach dem Fernsehabend vom Sofa auf, und die ersten Schritte Richtung Küche gehen steif und vorsichtig. Nach ein paar Metern wird es besser, doch auf der Kellertreppe meldet sich das Knie wieder, abwärts mehr als aufwärts. Eigentlich wollten Sie damit schon im Frühjahr zum Arzt. So richtig schlimm war es dann aber nie.

Genau in dieser Zwischenzone stecken viele Menschen mit Knieschmerzen. Zu lästig zum Ignorieren, aber irgendwie nicht schlimm genug für die Praxis. Ich habe nachgelesen, was unabhängige Stellen und große Studienübersichten dazu sagen. Manches davon können Sie heute Abend ausprobieren. Bei anderem lohnt es sich, nicht länger abzuwarten.

Frische Schmerzen: die ersten Tage

Wenn das Knie nach einem langen Tag im Garten oder nach einem kleinen Umknicken wehtut, empfiehlt der britische Gesundheitsdienst NHS ein paar einfache Schritte 1:

  • Das Knie entlasten, so gut es geht, und langes Stehen vermeiden 1.
  • Kühlen, zum Beispiel mit einem Kühlpack oder einer Tüte tiefgekühlter Erbsen in einem Geschirrtuch, bis zu 20 Minuten alle zwei bis drei Stunden 1.
  • Bei Bedarf ein Schmerzmittel aus der Apotheke nehmen, als Tablette oder als Gel 1.

Meist wird es dann innerhalb weniger Tage besser 1. Ein Knacken beim Beugen, das nicht wehtut, gilt übrigens als normal 1.

Wenn das Knie schon länger wehtut

Anders ist es, wenn die Schmerzen seit Wochen oder Monaten immer wiederkommen. Bei älteren Menschen ist dann oft eine Arthrose der Grund, also ein Verschleiß des Knorpels im Gelenk 1. Typisch ist, dass es anfangs nur bei Belastung wehtut, etwa beim Treppensteigen oder auf dem Weg zum Bäcker 2. Viele merken auch, dass sich das Knie nach dem Sitzen steif anfühlt und die ersten Schritte schmerzen 2. Manchen tut es vor allem morgens oder abends weh 2. Häufig sind beide Knie betroffen, manchmal mit einer leichten Schwellung 1.

Ob es wirklich eine Arthrose ist, klärt aber erst eine Untersuchung. Auch der NHS rät ausdrücklich davon ab, sich selbst eine Diagnose zu stellen 1.

Bewegung hilft mehr als Schonen

Wenn etwas wehtut, will man es schonen. Bei Arthrose ist das allerdings nicht der beste Weg, schreibt das unabhängige Gesundheitsinstitut IQWiG 2. Wird das Knie weniger bewegt, werden Muskeln und Bänder schwächer, und auch der Knorpel ist auf Bewegung angewiesen 2. Gehen und Radfahren gelten dort als gut für Knorpel und Gelenk 2. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft beschreibt, dass sich mit gezieltem Training für Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit Schmerzen und Funktion des Knies bessern 3. Wer unter Anleitung übt, etwa in der Physiotherapie, fühlt sich zusätzlich weniger steif und gewinnt an Lebensqualität 3.

Wie groß der Effekt ist, sollten Sie realistisch sehen. Eine große Cochrane-Übersicht hat 139 Studien mit zusammen rund 12.500 Menschen mit Kniearthrose ausgewertet 4. Danach bessert Bewegung Schmerzen und Beweglichkeit im Alltag wahrscheinlich etwas, vor allem in der ersten Zeit 4. Wie stark man das im eigenen Leben spürt, halten die Forschenden für unsicher 4. Ganz ohne Nebenwirkungen ist Bewegung allerdings nicht. In einigen Vergleichen hatten Menschen, die trainierten, etwas mehr Beschwerden als Menschen ohne Training 4.

Mich hat diese Ehrlichkeit eher beruhigt als enttäuscht, und sie spricht dafür, klein anzufangen. Wunder sollten Sie von Bewegung nicht erwarten. Aber sie kostet nichts, und Sie entscheiden jeden Tag neu, wie weit Sie gehen. Ein Spaziergang ohne Steigung zählt genauso wie eine ruhige Runde auf dem Fahrrad. An schlechten Tagen darf es auch weniger sein.

Mein Tipp: Wenn Sie nicht wissen, welche Übungen zu Ihrem Knie passen, fragen Sie in der Hausarztpraxis nach Physiotherapie. Unter Anleitung zu üben, ist gut untersucht 3, und die Übungen können Sie danach zu Hause weitermachen.

Mann um die 65 fährt gemächlich Fahrrad auf einem ebenen Radweg zwischen Feldern
Radfahren gilt bei Arthrose im Knie als gute Bewegung fürs Gelenk.Bild: KI-generiert

Gewicht und Schuhe

Beim Gewicht geht es nicht um Idealmaße. Wer Übergewicht hat, kann das Knie schon mit wenigen Kilo weniger entlasten 2. In Studien besserten sich Beweglichkeit und Schmerzen etwas, wenn Menschen mehr als fünf Prozent ihres Gewichts verloren 2. Laut Arzneimittelkommission verlangsamt weniger Gewicht außerdem den Verlauf einer Arthrose 3. Ich weiß, dass man das Thema Gewicht nicht gern hört. Aber hier können Sie selbst etwas bewegen, in Ihrem eigenen Tempo.

Bei den Schuhen lohnt sich ein Blick in den Flur. Günstig sind gut sitzende Schuhe mit einer dickeren, eher festen Sohle 2. Dünne, biegsame Sohlen und hohe Absätze sind für ein schmerzendes Knie eher ungünstig 2. Spezielle Entlastungsschuhe halfen in einer Studie nicht besser als normale, gut dämpfende Schuhe 2.

Tabletten, Spritzen, Wärme: was Studien zeigen

Entzündungshemmende Schmerzmittel können Arthroseschmerzen lindern 2. Die Arzneimittelkommission rät, sie nur für begrenzte Zeit zu nehmen, etwa bis zu 14 Tage, weil vor allem Tabletten Nebenwirkungen haben können 3. Gele mit solchen Wirkstoffen helfen manchen Menschen ebenfalls 2. Paracetamol wirkt bei Kniearthrose laut IQWiG dagegen nicht 2. Ob ein Mittel zu Ihren übrigen Medikamenten passt, fragen Sie am besten in der Apotheke oder Praxis.

Bei Spritzen ins Knie lohnt es sich, genau hinzuschauen. Kortison kann die Beschwerden für bis zu acht Wochen lindern 2. Wird es immer wieder gespritzt, schadet es auf Dauer dem Knorpel 2 3. Bei Hyaluronspritzen konnte nicht gezeigt werden, dass sie helfen, sie können sogar schaden 2. Die Arzneimittelkommission beschreibt die Wirkung als sehr unterschiedlich und rechnet mit einem großen Placeboeffekt 3. Wenn Ihnen eine Spritze angeboten wird, die Sie selbst bezahlen sollen, dürfen Sie in Ruhe nachfragen, was sie in Ihrem Fall bringen soll.

Wärme und Kälte nutzen viele im Alltag gern. Ob sie bei Arthrose Schmerzen und Beweglichkeit bessern, ist nicht ausreichend belegt 3. Für Behandlungen mit Strom gilt dasselbe 3. Wenn Ihnen abends eine Wärmflasche guttut, ist das Ihre Erfahrung, und die zählt. Die Studienlage ist eben nur dünn.

Eine Kniebandage kann manchen Menschen Halt geben 3. Untersuchung und Physiotherapie ersetzt sie aber nicht. Ein Gehstock entlastet für eine Weile, auf Dauer empfiehlt die Arzneimittelkommission Gehhilfen nicht 3.

Frau um die 55 sitzt im Flur auf einer Bank und bindet sich feste Schuhe zu
Feste Schuhe mit etwas dickerer Sohle sind fürs Knie günstiger als dünne Sohlen.Bild: KI-generiert

Ab wann Sie mit Knieschmerzen zum Arzt sollten

Zur Hausärztin oder zum Hausarzt gehen Sie, wenn die Schmerzen nach einigen Wochen nicht besser werden 1. Das gilt auch, wenn Sie gar nicht sagen können, warum Ihr Knie wehtut. Sie müssen nicht warten, bis es schlimm genug ist.

Nicht bis zum nächsten freien Termin warten sollten Sie bei diesen Zeichen 1:

  • sehr starke Schmerzen
  • Sie können das Knie nicht bewegen oder das Bein nicht belasten
  • das Knie ist stark geschwollen oder sieht anders aus als sonst
  • das Knie blockiert, knickt weg oder knackt schmerzhaft
  • Fieber oder Schüttelfrost, dazu ein rotes oder warmes Knie

Das Letzte kann auf eine Entzündung durch Keime hinweisen 1. Ein heißes, rotes Knie mit plötzlichen, sehr heftigen Schmerzen kann auch von Gicht kommen 1. Wer blutverdünnende Medikamente nimmt und eine warme, geschwollene Stelle mit Bluterguss am Knie bemerkt, kann eine Blutung ins Gelenk haben 1. Der NHS rät in diesen Fällen, umgehend ärztlichen Rat zu holen 1. Bei uns ist das die Hausarztpraxis am selben Tag oder abends und am Wochenende der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117.

Und wenn Sie merken, dass Ihr Knie entscheidet, ob Sie sich mit Freundinnen in der Stadt treffen oder lieber zu Hause bleiben, ist das Grund genug für einen Termin. Erzählen Sie dort möglichst genau, wann es wehtut, zum Beispiel auf der Treppe abwärts oder beim Aufstehen nach dem Essen. Damit kann Ihre Ärztin mehr anfangen als mit einem knappen „es tut halt weh“.

Häufige Fragen

Was tun bei Knieschmerzen ohne erkennbaren Grund?

Wenn das Knie ohne Sturz oder Verdrehen wehtut, steckt bei Älteren oft eine Arthrose dahinter, manchmal auch eine Entzündung oder Gicht. Ist das Knie heiß und rot oder haben Sie Fieber, holen Sie noch am selben Tag ärztlichen Rat. Sonst lohnt es sich, das Knie zu entlasten, in Bewegung zu bleiben und in die Hausarztpraxis zu gehen, wenn es nach einigen Wochen nicht besser ist.

Warum tut das Knie nachts oder abends weh?

Bei Arthrose tut das Knie manchen Menschen vor allem morgens oder abends weh. Schmerzen, die Sie nachts aufwecken oder in Ruhe immer stärker werden, sollten Sie ärztlich abklären lassen, vor allem wenn das Knie dazu geschwollen, rot oder warm ist.

Ist Knacken im Knie gefährlich?

Ein Knacken, das nicht wehtut, gilt als normal. Knackt das Knie schmerzhaft, blockiert es oder knickt es weg, sollten Sie es zeitnah untersuchen lassen.

Hilft bei Knieschmerzen eher Kühlen oder Wärme?

Bei frischen Schmerzen, etwa nach einer Überlastung, rät der britische Gesundheitsdienst zum Kühlen, bis zu 20 Minuten mit einem Tuch zwischen Haut und Kühlpack. Bei länger bestehender Arthrose ist weder für Wärme noch für Kälte gut belegt, dass sie Schmerzen und Beweglichkeit bessern. Was Ihnen guttut, dürfen Sie trotzdem nutzen.

Was bedeuten Knieschmerzen beim Beugen?

Wo und wann es wehtut, ist ein wichtiger Hinweis für die Untersuchung, eine Diagnose ersetzt es nicht. Ein warmes, rotes Knie, das beim Knien und Beugen schlimmer wird, kann zum Beispiel auf eine Schleimbeutelentzündung hindeuten. Schildern Sie in der Praxis genau, in welchen Momenten es wehtut.

Über Julia

Julia schreibt für Gesundroutine. Sie ist keine Ärztin: Jeder Artikel stützt sich auf verlinkte Studien und Fachquellen und ersetzt keinen Arztbesuch.

Mehr über mich

Quellen

  1. NHS (National Health Service, England) (o. J.): Knee pain
  2. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de (2024): Kniearthrose (Gonarthrose)
  3. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (2024): Osteoarthrose des Knies: Was tun bei Schmerzen trotz Therapiestandard? (Schiltenwolf M., Arzneiverordnung in der Praxis 2/2024)
  4. Cochrane, über PubMed (National Library of Medicine, NIH) (2024): Exercise for osteoarthritis of the knee (Lawford BJ et al., Cochrane Database of Systematic Reviews, DOI 10.1002/14651858.CD004376.pub4, PMID 39625083)

Stand: 23. Oktober 2026. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

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