Fußschmerzen nach langem Stehen: Woher sie kommen und was hilft

Von Julia17. Oktober 2026 · 7 Min. Lesezeit · 6 Quellen

Wer lange still steht, hält die Muskeln in Waden und Füßen ohne Pause unter Spannung. Dazu sammelt sich Blut in den Beinen, und harter Boden oder zu schmale Schuhe drücken zusätzlich. Ein paar Schritte zwischendurch, abends Hochlegen und sanftes Kühlen, Dehnübungen und gut gedämpfte Schuhe mit genug Platz können die Füße entlasten. Wird es nach zwei Wochen nicht besser oder kribbelt der Fuß, sollten Sie ihn untersuchen lassen.

Frau um die 60 sitzt am Nachmittag im Sessel und hat die Beine auf einem Hocker hochgelegt
Nach einem langen Tag auf den Beinen: Füße hoch und erst einmal durchatmen.Bild: KI-generiert

Der Tag war lang. Erst der Wochenmarkt, dann der halbe Nachmittag in der Küche, weil morgen die Familie kommt. Jetzt sitzen Sie endlich, die Schuhe sind aus, und die Füße pochen bis in die Fersen. Als Sie kurz darauf aufstehen, um den Tee zu holen, humpeln Sie die ersten Schritte durch den Flur, als hätte jemand Kieselsteine auf den Boden gestreut.

Kennen Sie das? Hinter solchen Schmerzen steckt selten nur eine einzige Ursache. Meist wirken mehrere Dinge zusammen. Dazu gehören die Art, wie wir stehen, der harte Boden und die Schuhe, manchmal auch eine Stelle am Fuß, die schon länger gereizt ist. An mehreren davon können Sie selbst etwas ändern.

Was beim langen Stehen im Fuß passiert

Man denkt, Stehen sei weniger anstrengend als Laufen, weil man sich kaum bewegt. Für die Füße ist es eher umgekehrt. Beim Gehen spannen sich die Muskeln in Waden und Füßen an und lassen wieder los, immer im Wechsel. Wer still steht, hält sie die ganze Zeit ein wenig unter Spannung.

Zwei Forschende des US-amerikanischen Instituts für Arbeitsschutz haben viele Studien zum Stehen am Arbeitsplatz ausgewertet. Nach ihrer Übersicht führt Stehen ohne Bewegung schon nach etwa einer halben Stunde zu Ermüdung, Unbehagen und Schmerzen, auch in Beinen und Füßen 4. Beim langen Stehen sammelt sich außerdem Blut in den Beinen und Füßen. Die Muskeln bekommen dann weniger Blut und werden schneller müde 4. In Messungen waren die Beine von Menschen, die viel standen, am Abend leicht geschwollen 4.

Dazu kommt der Boden. Fliesen in der Küche, Stein im Laden oder Kopfsteinpflaster in der Altstadt geben keinen Millimeter nach. In einer der ausgewerteten Studien hatten Menschen auf weichem Untergrund schon nach einer Stunde spürbar weniger Beschwerden in den Füßen als auf hartem Boden 4.

Mich hat beim Lesen überrascht, wie deutlich ein Punkt herauskam. Wer zwischendurch ein paar Schritte geht oder das Gewicht von einem Bein aufs andere verlagert, hatte in den Studien weniger Beschwerden als jemand, der still auf der Stelle steht. Die Forschenden halten Bewegung für den besten Schutz, wünschen sich dazu aber noch mehr Studien 4.

Wenn vor allem die Ferse schmerzt

Sitzt der Schmerz vor allem unter der Ferse? Und sind die ersten Schritte nach dem Sitzen oder morgens nach dem Aufstehen die schlimmsten? Dann denken viele zuerst an einen Fersensporn. Oft ist aber eine gereizte Sehnenplatte unter der Fußsohle die Ursache. Ärztinnen und Ärzte sprechen dann von einer Plantarfasziitis. Diese Platte spannt sich von der Ferse bis zu den Zehen und trägt das Fußgewölbe mit.

Fersensporn und Plantarfasziitis entstehen vor allem dann, wenn der Fuß über lange Zeit überlastet wird. Bei Menschen, die im Alltag viel stehen oder laufen, kommen sie häufiger vor, ebenso mit steigendem Alter 1. Typisch ist ein Schmerz unter der Ferse nach einer Ruhepause, der im Lauf des Tages meist besser wird 1. Der britische Gesundheitsdienst NHS beschreibt einen stechenden Schmerz zwischen Gewölbe und Ferse. Er ist beim Losgehen stärker und lässt in Ruhe nach 3.

Ermutigend finde ich, was über den Verlauf bekannt ist. Bis die Schmerzen abklingen, vergehen oft Wochen bis Monate. Die meisten Menschen haben aber nach einem Jahr keine Beschwerden mehr 1. Häufig gehen die Schmerzen sogar ohne Behandlung innerhalb einiger Monate zurück 2. Sie können allerdings später wiederkommen 1.

Nicht jeder Fußschmerz nach dem Stehen kommt von der Fußsohle. Ein Schmerz an der Rückseite der Ferse, der bis in Knöchel und Wade zieht, spricht eher für die Achillessehne 3. Drückt es vorn am Ballen oder an den Zehen, lohnt ein genauer Blick auf die Schuhe. Dazu gleich mehr.

Mann Ende 50 geht in der Arbeitspause einen kurzen Weg unter Bäumen
Ein paar Schritte zwischendurch entlasten die Füße oft mehr als stilles Stehen.Bild: KI-generiert

Was am Abend guttut

Wenn die Füße nach einem langen Tag brennen, können Sie zu Hause schon einiges tun:

  • Hochlegen. Der NHS rät, die Ferse hochzulegen und auszuruhen, wann immer es geht 3.
  • Sanft kühlen. Ruhe und Kühlen können den Schmerz zunächst lindern 1. Die Haut sollte dabei nur leicht gekühlt werden 2. Wickeln Sie das Kühlpack deshalb in ein Geschirrtuch, statt es direkt auf den Fuß zu legen 3.
  • Dehnen und kräftigen. Empfohlen werden Übungen, die Wade und Fußsohle dehnen und die kleinen Fußmuskeln kräftigen 1 2. Welche Übungen zu Ihnen passen, kann Ihnen eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut zeigen.
  • In der Apotheke fragen. Dort können Sie sich zu Schmerzmitteln, Fersenpolstern und Einlagen beraten lassen 3.

Viele ziehen abends die Schuhe aus und laufen barfuß über Fliesen oder Laminat. Für gereizte Fersen ist das eher ungünstig. Fachleute raten, möglichst nicht barfuß zu gehen und keine ganz flachen Schuhe zu tragen 1. Besser ist ein Hausschuh mit fester, gedämpfter Sohle. Schuhe, die den Tritt abfedern, können die Sehnenplatte entlasten 2.

Schuhe mit Platz vorn und Dämpfung unten

Eine Studie aus dem Jahr 2005 hat bei 176 Menschen zwischen 62 und 96 Jahren die Füße und die getragenen Schuhe nachgemessen. Die meisten trugen Schuhe, die schmaler waren als ihr Fuß 5. Wer deutlich zu schmale Schuhe trug, hatte häufiger Fußschmerzen und Hühneraugen an den Zehen. Auch ein Ballen am großen Zeh, in der Fachsprache Hallux valgus genannt, kam bei ihnen öfter vor 5. Bei Frauen hing ein Absatz von mehr als zweieinhalb Zentimetern mit Ballen und Hornhaut unter dem Fuß zusammen 5.

Für den nächsten Schuhkauf heißt das: Lassen Sie Länge und Breite Ihrer Füße neu messen, statt einfach die gewohnte Größe zu nehmen. Die Forschenden empfehlen, bei Fußschmerzen immer auch die Schuhe anzusehen 5. Hohe Absätze und enge, spitze Schuhe sollte man bei schmerzenden Fersen laut NHS meiden 3. Ich weiß, wie mühsam die Suche nach einem Schuh ist, der bequem ist und trotzdem nicht nach Notlösung aussieht. Fragen Sie im Laden gezielt nach Modellen mit herausnehmbarer Sohle und weitem Vorderfuß, dann wird die Auswahl kleiner, aber passender.

Mein Tipp: Nehmen Sie beim Anprobieren die Einlegesohle aus dem Schuh, legen Sie sie auf den Boden und stellen Sie sich mit vollem Gewicht darauf. Steht Ihr Fuß an den Seiten über, ist der Schuh zu schmal, ganz gleich, welche Größe auf dem Karton steht.

Frau um die 65 probiert in einem hellen Schuhgeschäft bequeme Stiefeletten an, eine Verkäuferin prüft die Passform
Beim Schuhkauf lohnt es sich, Länge und Breite der Füße neu messen zu lassen.Bild: KI-generiert

Wenn Sie beruflich viel stehen

An der Kasse, in der Pflege, im Verkauf oder im Friseursalon gehört langes Stehen für viele Menschen über 50 zum Arbeitstag. Die Übersichtsarbeit nennt als Orientierung eine niederländische Richtlinie: nicht länger als eine Stunde am Stück stehen und am Tag insgesamt höchstens vier Stunden 4. Das lässt sich nicht in jedem Beruf einhalten. Für ein Gespräch mit dem Betrieb ist es trotzdem ein guter Anhaltspunkt.

Bei den Hilfsmitteln sind die Studien nicht einheitlich. Weiche Bodenmatten fanden die Teilnehmenden angenehmer als harten Boden. Ihr Nutzen zeigte sich aber vor allem nach mehreren Stunden, und nicht jede Studie fand einen Unterschied 4. In einem Versuch machten Matten und Schuheinlagen im Vergleich zum harten Boden ähnlich weniger müde 4. Bei Stehhilfen und Stühlen für den Wechsel zwischen Sitzen und Stehen sind die Ergebnisse uneinheitlich 4. Stützstrümpfe verringerten in den meisten Studien Beschwerden und Schwellungen in den Beinen, am deutlichsten bei Menschen mit schwachen Venen 4. Ob sie für Sie infrage kommen und welche Stärke passt, besprechen Sie am besten in der Hausarztpraxis, denn sehr starker Druck könnte eher schaden 4.

Dann ist da noch das Körpergewicht, das die Füße bei jedem Schritt mittragen. Fachleute raten deshalb, Übergewicht möglichst zu vermeiden 1. Das ist ein Baustein unter mehreren und kein Grund, sich Vorwürfe zu machen.

Wann Sie zur Ärztin oder zum Arzt gehen sollten

Lassen Sie Ihre Füße ansehen, wenn die Schmerzen stark sind oder Sie im Alltag einschränken. Das gilt auch, wenn sie schlimmer werden, immer wiederkommen oder sich nach zwei Wochen mit Ruhe, Kühlen und guten Schuhen nicht gebessert haben 3. Kribbeln oder Taubheit im Fuß sollten ebenfalls ärztlich abgeklärt werden 1 3. Wenn Sie Diabetes haben, sprechen Sie Fußschmerzen früh in der Praxis an 3. Überlassen Sie die Fußpflege dann einer Podologin oder einem Podologen, also einer Fachkraft für medizinische Fußbehandlung. Liegt ein sogenanntes diabetisches Fußsyndrom vor, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Behandlung auf ärztliches Rezept. Sie zahlen pro Rezept 10 Prozent der Kosten plus 10 Euro zu 6. Rasch Hilfe brauchen Sie, wenn der Fuß nach einem Sturz oder Umknicken stark schmerzt oder seine Form verändert hat. Dasselbe gilt, wenn Sie nicht mehr auftreten können oder Wade und Knöchel geschwollen und blau verfärbt sind 3.

Häufige Fragen

Warum tun die Füße beim Stehen mehr weh als beim Gehen?

Beim Gehen spannen sich die Muskeln in Waden und Füßen an und entspannen wieder, beim Stehen bleiben sie dauernd angespannt. Außerdem sammelt sich beim langen Stehen Blut in den Beinen, und die Muskeln werden schneller müde. Ein paar Schritte zwischendurch helfen deshalb oft mehr als stilles Ausharren.

Was hilft bei Fußschmerzen nach der Arbeit?

Am Abend tut es vielen gut, die Füße hochzulegen und sie sanft zu kühlen, mit einem Tuch zwischen Kühlpack und Haut. Dehnübungen für Wade und Fußsohle können entlasten. Statt barfuß auf Fliesen zu laufen, ist ein Hausschuh mit gedämpfter Sohle die bessere Wahl.

Welche Schuhe sind gut bei Fußschmerzen?

Gut sind Schuhe mit genug Platz für die Zehen, einer weichen, federnden Sohle und einem niedrigen Absatz. Viele ältere Menschen tragen Schuhe, die schmaler sind als ihr Fuß, deshalb lohnt es sich, Länge und Breite beim Kauf neu messen zu lassen. Hohe Absätze und spitze Schuhe meiden Sie bei schmerzenden Füßen besser.

Ab wann sollte ich mit Fußschmerzen zum Arzt?

Wenn die Schmerzen stark sind, schlimmer werden, immer wiederkommen oder nach zwei Wochen mit Ruhe und guten Schuhen nicht besser sind. Bei Kribbeln, Taubheit oder Diabetes sollten Sie früher gehen. Nach einem Sturz, bei einem verformten Fuß oder wenn Sie nicht mehr auftreten können, brauchen Sie rasch Hilfe.

Über Julia

Julia schreibt für Gesundroutine. Sie ist keine Ärztin: Jeder Artikel stützt sich auf verlinkte Studien und Fachquellen und ersetzt keinen Arztbesuch.

Mehr über mich

Quellen

  1. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (geprüft durch die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie) (2026): Fersensporn und Plantarfasziitis
  2. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de (2025): Wie wird eine Plantarfasziitis behandelt?
  3. National Health Service (NHS) (2025): Heel pain
  4. Rehabilitation Nursing, PubMed 25041875 (2015): Evidence of health risks associated with prolonged standing at work and intervention effectiveness (Waters TR, Dick RB)
  5. Gerontology, doi:10.1159/000086373 (2005): Footwear characteristics and foot problems in older people (Menz HB, Morris ME)
  6. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (2024): Podologie

Stand: 17. Oktober 2026. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

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