Eingewachsener Zehennagel: Was Sie tun können und wann zum Arzt
Ist der Zeh nur gerötet und eitert nicht, können warme Fußbäder, eine desinfizierende Salbe und weite Schuhe ohne Druck auf den Zeh schon ausreichen. Schneiden Sie nicht selbst am Nagel herum. Zur Ärztin oder zum Arzt sollten Sie, wenn es nach der eigenen Pflege nicht besser wird, wenn Eiter, starke Schwellung oder Fieber dazukommen oder wenn Sie Diabetes haben.
Beim Anziehen der Socke zuckt der große Zeh zusammen. Am Rand des Nagels ist die Haut rot und dick, und jeder Schuh drückt genau auf diese eine Stelle. Vielleicht haben Sie schon mit der Nagelschere in der Hand dagesessen und überlegt, ob Sie die Ecke einfach herausholen.
Ob Sie es gelassen oder schon probiert haben: Fachleute raten davon ab 3, denn zu kurz oder rund geschnittene Nägel gelten selbst als ein Grund dafür, dass Nägel einwachsen 1.
Was an Ihrem Zeh gerade passiert
Bei einem eingewachsenen Zehennagel drückt sich die seitliche Kante des Nagels in die Haut daneben. Weil der Nagel weiterwächst, wird die Stelle immer wieder verletzt und entzündet sich 1. Meist trifft es den großen Zeh 1. Die Haut wird rot, schwillt an und tut weh 1. Deshalb kann schon die Bettdecke unangenehm sein.
Dauert die Entzündung länger, kann sich weiches, leicht blutendes Gewebe bilden, das über den Nagelrand wuchert. Viele kennen es als „wildes Fleisch“ 1. Die Stelle kann dann nässen, bluten oder eitern und manchmal unangenehm riechen 1.
Mich hat überrascht, wie oft das vorkommt. Etwa jede fünfte Person, die wegen Fußbeschwerden ärztlichen Rat sucht, hat einen eingewachsenen Zehennagel 1. Ältere Menschen sind häufig betroffen. Die Zehen werden mit den Jahren dicker, und die Fußpflege wird mühsamer, wenn das Bücken schwerfällt 1. Begünstigt wird das Einwachsen außerdem durch zu kurz oder rund geschnittene Nägel, enge Schuhe, Schweißfüße und stark gewölbte Nägel. Auch Diabetes und Wassereinlagerungen in den Füßen, etwa bei Herz-, Nieren- oder Venenschwäche, spielen mit hinein 1.
Was Sie selbst tun können, solange es leicht ist
Leicht heißt: Der Zeh ist gerötet und tut etwas weh, aber es kommt kein Eiter und Sie fühlen sich nicht krank. Dann können Sie es zuerst selbst versuchen.
- Weichen Sie den Zeh in einem warmen Fußbad mit etwas Seife ein 1. Auch warmes Salzwasser wird dafür empfohlen 3.
- Trocknen Sie den Fuß danach gründlich ab und halten Sie ihn für den Rest des Tages trocken 2 3.
- Tragen Sie eine desinfizierende oder entzündungshemmende Salbe, Tinktur oder ein Gel auf 1 2. In der Apotheke bekommen Sie Rat dazu und auch dazu, welches Schmerzmittel für Sie passt 3.
- Nehmen Sie den Druck vom Zeh. Weite oder offene Schuhe, Sandalen und weite Strümpfe helfen dabei. Gleich nach dem Bad sollten Sie noch nicht in die Schuhe schlüpfen 1 3.
Mein Tipp: Hängen Sie nachts die Bettdecke über das Fußende, sodass sie den Zeh nicht berührt 1. Das klingt nach einer Kleinigkeit, nimmt aber nachts den Druck vom Zeh.

Was Sie lieber nicht tun sollten
So verständlich der Griff zur Schere ist: Bohren, pulen oder schneiden Sie nicht an der entzündeten Stelle, und kürzen Sie den Nagel jetzt auch nicht. Lassen Sie ihn stattdessen herauswachsen 3. Enge und spitze Schuhe bleiben vorerst besser im Schrank 3.
Wenn Sie Diabetes haben, gehen Sie nicht erst den Weg über die Selbstbehandlung. Holen Sie sich früh ärztlichen Rat, denn bei Diabetes können Probleme an den Füßen ernster werden 2 3. Die Pflege der Nägel sollten dann Fachleute aus der Podologie übernehmen, also der medizinischen Fußpflege 1.
Wer Ihnen weiterhilft
Die erste Anlaufstelle ist meist die Hausarztpraxis 1. Dort reicht in der Regel ein Blick auf den Zeh und ein paar Fragen zu Ihren Beschwerden, aufwendige Untersuchungen braucht es meist nicht 1. Ist der Zeh entzündet und infiziert, kann die Ärztin oder der Arzt ein Antibiotikum verschreiben. Bei einem schweren Verlauf wird an Fachleute für Füße überwiesen 3.
Oft kommt dabei die Podologin ins Spiel. Spezielle Verbände oder eine Nagelspange können helfen, dass der Nagel wieder frei wächst 1 2. Angelegt werden sie in einer podologischen Praxis 1. Eine Nagelspange ist eine kleine Korrekturhilfe, die am Nagel befestigt und von Zeit zu Zeit nachgestellt wird.
Für die Kosten ist wichtig: Seit dem 1. Juli 2022 kann die Behandlung mit einer Nagelspange ärztlich als Heilmittel verordnet werden 5. Die Arztpraxis stellt die Diagnose und versorgt die Wunde. Die Podologin passt die Spange an, setzt sie ein, korrigiert sie und nimmt sie wieder ab 5. Sie berät auch dazu, wie Sie Ihre Nägel schneiden und pflegen und welche Schuhe passen 5. Voraussetzung ist, dass sich die Spange anbringen lässt, ohne die entzündete Haut weiter zu verletzen 5. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach, ob Sie etwas dazuzahlen müssen. Eine rein kosmetische Fußpflege zahlen Sie dagegen selbst 1 2.
Wenn eine Operation nötig wird
Helfen diese Schritte nicht, oder ist der Zeh stark entzündet und eitert, wird in der Regel ein Eingriff empfohlen 1 2. Viele erschrecken bei dem Gedanken, den Nagel „ziehen“ zu lassen. Gemacht wird der Eingriff mit einer Betäubungsspritze in den Zeh, Sie sind also wach und spüren den Schnitt nicht. Entfernt wird ein Teil des Nagels oder der ganze Nagel 3. Fragen Sie vorher ruhig nach, was genau bei Ihnen geplant ist und wie Sie danach laufen können.
Eine Auswertung von 24 Studien mit zusammen 2.826 Teilnehmenden kam zu dem Ergebnis, dass ein Eingriff besser davor schützt, dass der Nagel wieder einwächst, als die Behandlungen ohne Operation 4. Manchmal wird zusätzlich mit Phenol behandelt, einem Mittel, das das Nachwachsen der Nagelkante verhindern soll. In der einzigen Studie, die denselben Eingriff mit und ohne Phenol verglich (117 Teilnehmende), wuchs der Nagel mit Phenol bei 14 von 100 Behandelten wieder ein, ohne Phenol bei 41 von 100 4. Die Forschenden halten Phenol deshalb wahrscheinlich für wirksamer, wünschen sich aber weitere Studien 4. Interessant fand ich auch, dass Antibiotika, Honig oder besondere Salbenverbände nach dem Eingriff in den Studien weder Infektionen noch Schmerzen verringert und die Heilung auch nicht beschleunigt haben 4.

Damit es nicht wiederkommt
Vorbeugen fängt bei der Schere an. Schneiden Sie die Zehennägel gerade und runden Sie die Ecken nicht ab 1 2. Lassen Sie die Nägel so lang, dass die Ecken frei auf der Haut am Rand aufliegen 1 2. Zu kurz geschnittene Nägel wachsen leichter ein 3. Achten Sie bei Schuhen darauf, dass die Zehen genug Platz haben 1. Wenn Ihre Füße stark schwitzen, sind offene oder luftdurchlässige Schuhe eine gute Wahl 1.
Und wenn Sie nicht mehr gut an Ihre Füße herankommen, etwa wegen der Gelenke oder weil die Augen nachlassen, müssen Sie sich nicht mit der Schere verrenken. Eine kosmetische Fußpflege oder eine Praxis für Podologie kann das für Sie übernehmen 1. Viele empfinden diesen Termin alle paar Wochen auch einfach als Wohltat.
Wann Sie zur Ärztin oder zum Arzt gehen sollten
Lassen Sie den Zeh ansehen, wenn Fußbad und Salbe nicht helfen, wenn Eiter austritt oder wenn der Zeh stark schmerzt und anschwillt 1 3. Mit Fieber, Schüttelfrost oder dem Gefühl, krank zu sein, gehen Sie bitte zeitnah in die Hausarztpraxis, vor allem wenn sich die Rötung ausbreitet 1 3. Haben Sie Diabetes, warten Sie nicht ab, sondern holen Sie sich gleich zu Beginn ärztlichen Rat 2 3.
Häufige Fragen
Welche Hausmittel helfen bei einem eingewachsenen Zehennagel?
Ist die Entzündung leicht, können ein warmes Fußbad mit etwas Seife, gründliches Abtrocknen und eine desinfizierende Salbe ausreichen. Wichtig ist außerdem, den Druck vom Zeh zu nehmen, etwa mit weiten oder offenen Schuhen. Bei Diabetes sollten Sie vorher ärztlichen Rat einholen.
Wie sieht ein eingewachsener Zehennagel aus?
Die Haut am Nagelrand ist gerötet, geschwollen und schmerzt bei Druck, meist am großen Zeh. Später kann weiches, leicht blutendes Gewebe über den Nagelrand wachsen, das oft „wildes Fleisch“ genannt wird. Die Stelle kann auch nässen oder eitern.
Was tun, wenn der eingewachsene Zehennagel eitert?
Dann reicht die eigene Pflege meist nicht mehr, und der Zeh sollte ärztlich angesehen werden. Bei Fieber, Schüttelfrost oder sich ausbreitender Rötung gehen Sie bitte zeitnah in die Hausarztpraxis. Bitte nicht selbst schneiden oder an der Stelle drücken.
Welcher Arzt ist bei einem eingewachsenen Zehennagel zuständig?
Die erste Anlaufstelle ist meist die Hausarztpraxis. Sie behandelt eine Entzündung und kann eine Nagelspange verordnen, die dann eine Praxis für Podologie anpasst. Bei einem schweren Verlauf wird weiter überwiesen.
Geht es auch ohne Operation?
Bei leichten Beschwerden können Fußbäder, Entlastung und Salbe ausreichen. Außerdem gibt es Nagelspangen und spezielle Verbände aus der Podologie, die dem Nagel helfen, wieder frei zu wachsen. Wird es trotzdem nicht besser oder eitert der Zeh stark, wird meist zu einem kleinen Eingriff geraten.
Über Julia
Julia schreibt für Gesundroutine. Sie ist keine Ärztin: Jeder Artikel stützt sich auf verlinkte Studien und Fachquellen und ersetzt keinen Arztbesuch.
Mehr über michQuellen
- Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG) (2026): Eingewachsener Nagel (Onychocryptosis)
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de (2024): Eingewachsener Zehennagel
- NHS 111 Wales (2025): Ingrown toenail
- Cochrane (2022): Interventions for ingrowing toenails (Eekhof JAH et al., DOI 10.1002/14651858.CD001541.pub3)
- Deutsches Ärzteblatt (2022): Nagelspangenbehandlung ab Juli als Heilmittel
Stand: 14. Oktober 2026. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
