Schnarchen: Was hilft, und woran merke ich, dass mehr dahintersteckt?

Von Julia9. Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit · 5 Quellen

Als erste Schritte gelten Schlafen auf der Seite, wenig Alkohol am Abend und Abnehmen bei Übergewicht. Bei reinem Schnarchen kann auch eine Schiene das Schnarchen verringern, die eine Zahnärztin anpasst. Mehr als Schnarchen kann es sein, wenn der Atem nachts immer wieder aussetzt, Ihr Partner danach schnauft oder japst und tagsüber sehr müde ist. Das gehört dann in die Hausarztpraxis.

Frau um die 60 sitzt morgens mit einer Tasse Tee auf der Bettkante, ihr Mann schläft noch
Nach einer unruhigen Nacht beginnt der Morgen oft leise.Bild: KI-generiert

Es ist kurz nach zwei, und neben Ihnen sägt es wieder. Sie drücken die Ohrstöpsel tiefer, obwohl Sie genau wissen, dass das Geräusch trotzdem durchkommt. Dann wird es auf einmal still. Sie liegen da, horchen ins Dunkle und warten, bis Ihr Partner endlich wieder Luft holt.

In so einer Nacht stecken zwei Fragen. Die eine ist ganz praktisch, nämlich was hilft, damit Sie beide wieder Ruhe finden. Die andere geht tiefer: Ist das noch harmloses Schnarchen, oder steckt etwas dahinter, das ein Arzt sich ansehen sollte? Ich habe nachgelesen, was HNO-Fachleute und unabhängige Gesundheitsstellen dazu schreiben. Beides lässt sich recht gut auseinanderhalten.

Wie das Schnarchen entsteht

Im Schlaf entspannen sich Zunge, Gaumen und Rachen, und die Atemwege werden enger. Strömt die Luft hindurch, beginnen diese weichen Teile zu flattern 4. Übergewicht, Rauchen, reichlich Alkohol und das Schlafen auf dem Rücken machen das wahrscheinlicher 4. Am häufigsten schnarchen Menschen zwischen 45 und 54 Jahren 1.

Mich hat überrascht, wie gelassen die Fachleute das sehen. Schnarchen an sich gilt als harmlos 2. Es wird nicht als Krankheit eingestuft und nur dann behandelt, wenn der Schnarcher das selbst möchte 1. Ihr Partner entscheidet also über seine Behandlung. Ihr Schlaf zählt trotzdem, und Sie dürfen sich wünschen, dass sich etwas ändert.

Wann aus Schnarchen mehr wird

Von einer Schlafapnoe sprechen Fachleute, wenn zum Schnarchen Atemaussetzer kommen, die länger als zehn Sekunden dauern 2. Schätzungsweise jeder zehnte Erwachsene hat eine Schlafapnoe. Männer trifft sie häufiger als Frauen, und ab etwa 45 Jahren steigt das Risiko stetig an 2.

Nachts bekommen Sie davon oft mehr mit als er selbst. Diese Zeichen können auf eine Schlafapnoe hinweisen 5:

  • Der Atem bleibt weg und setzt dann wieder ein.
  • Er schnauft, japst oder macht Würgegeräusche.
  • Er wird nachts oft wach.
  • Das Schnarchen ist sehr laut.

Am Tag fällt eher starke Müdigkeit auf, dazu Probleme mit der Konzentration, schwankende Laune oder Kopfschmerzen gleich nach dem Aufwachen 5. Auch nächtliches Schwitzen und häufiges Wasserlassen in der Nacht können dazugehören 2. Wenn Ihr Partner beim Fernsehen oder beim Zeitunglesen ständig wegnickt, ist das ein Hinweis, den Sie ernst nehmen dürfen 2.

Menschen mit Schlafapnoe haben häufiger Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen 2. Und wer am Steuer einnickt, bringt sich und andere in Gefahr 2. Ebenso klar schreiben die Fachleute aber, dass gelegentliche kurze Atemaussetzer ohne Müdigkeit am Tag in der Regel kein Grund zur Beunruhigung sind 2.

Mein Tipp: Schreiben Sie ein paar Nächte lang auf, was Ihnen auffällt, also wie oft es still wird, ob er danach schnauft und wie müde er am nächsten Tag ist. Wer schnarcht, hört sich ja selbst nicht, da kann auch eine kurze Tonaufnahme mit dem Handy überzeugen. In der Praxis sind Ihre Beobachtungen ausdrücklich gefragt 1.

Frau Ende 50 schreibt abends am Küchentisch in ein kleines Notizbuch
Ein paar Notizen zu den Nächten helfen später beim Arzttermin.Bild: KI-generiert

Was er selbst ausprobieren kann

Wer deutlich zu viel wiegt, bekommt als Erstes den Rat abzunehmen. Die Fachleute empfehlen das allen übergewichtigen Schnarchern, auch wenn direkte Studien dazu rar sind 1. Abends wenig oder gar keinen Alkohol zu trinken, kann ebenfalls helfen, weil Alkohol die Atemmuskulatur noch weiter erschlaffen lässt 3. Wer raucht, schnarcht eher 4.

Der bekannteste Rat ist die Seitenlage, denn auf dem Rücken schnarcht man häufiger 3. Ein Tennisball, in den Rücken des Schlafanzugs genäht, ein Keilkissen oder ein spezielles Kissen sollen verhindern, dass er sich zurückdreht 4. Falls Sie das längst ausprobiert haben und nichts besser wurde, haben Sie nichts falsch gemacht. Die Rückenlage ist selten die alleinige Ursache 2, und wie viel es wirklich bringt, sie zu meiden, ist nicht gut belegt 1.

Pflaster, Klammern und Sprays für die Nase sind für den Fall gedacht, dass die Nase verstopft oder eng ist 4. Kommt das Geräusch aus dem Rachen, setzen sie an der falschen Stelle an. Deshalb wirkt nicht jedes Mittel bei jedem, und es lohnt sich, die Ursache zu kennen.

Nimmt Ihr Partner abends Schlaf- oder Beruhigungsmittel, kann er in der Praxis fragen, ob sie zum Schnarchen beitragen. Solche Mittel können die Atemmuskulatur erschlaffen lassen 2.

Schiene, Maske, Operation

Wer sein Schnarchen behandeln lassen will, sollte vorher nachts untersucht werden, damit eine Schlafapnoe nicht übersehen wird 1. Erste Anlaufstelle ist meist die Hausarztpraxis 2. Dort kann er ein kleines Messgerät für zu Hause bekommen, das über Nacht Atmung, Puls und Sauerstoff im Blut aufzeichnet. Zeigt es Auffälligkeiten, kann eine Untersuchung im Schlaflabor folgen 2.

Bei reinem Schnarchen empfehlen die Fachleute eine Schiene für die Zähne, die nachts den Unterkiefer und damit die Zunge etwas nach vorn holt 14. Angepasst wird sie in der Zahnarztpraxis, in Absprache mit der Schlafmedizin 1. In Studien ging das Schnarchen damit deutlich zurück, in einem Vergleich wirkte sie besser als eine Schein-Schiene 1. Wer sie über Jahre trägt, sollte Biss und Zahnstellung kontrollieren lassen 1.

Hat er eine Schlafapnoe, kommt oft eine Atemmaske ins Spiel. Ein kleines Gerät pumpt dabei sanft Luft in eine Maske, die er im Schlaf trägt 5. In Studien konnte diese Behandlung die Schlafapnoe lindern. Sie heilt sie aber nicht, und ohne Maske kommen die Beschwerden meist wieder 3. Mit der Maske zu schlafen, ist anfangs gewöhnungsbedürftig, deshalb ist eine gute Begleitung in den ersten Wochen besonders wichtig 3. Die Geräte sind heute meist leise 3. Wenn Sie daneben liegen, kann das gleichmäßige Rauschen Sie trotzdem wach halten. Dann sprechen Sie es ruhig in der Praxis an.

Operationen kommen meist erst infrage, wenn anderes nicht hilft 4. Ist die Nasenatmung behindert, kann ein Eingriff an der Nase sinnvoll sein 1. Am Gaumen raten die Fachleute zu kleinen, schonenden Verfahren und zu größeren Eingriffen nur unter strengen Bedingungen 1. Eine Operation wirkt nicht bei jedem, und das Schnarchen kann zurückkommen 4. Blutungen, Schmerzen oder Schluckbeschwerden gehören zu den möglichen Risiken 3.

Und Ihr eigener Schlaf

Ohrstöpsel sind der übliche Rat für die Partnerin 4. Wenn Sie das Sägen trotzdem hören, liegt das nicht an fehlender Geduld.

Ob Sie eine Zeit lang getrennt schlafen, entscheiden nur Sie beide. Für manche Paare ist das eine Lösung, bis die Ursache geklärt ist, andere bleiben dauerhaft dabei und sind sich trotzdem nah. Wichtig finde ich nur, dass es sich für keinen von beiden wie eine Strafe anfühlt.

Paar Mitte 60 geht im Herbst im Park spazieren und unterhält sich
Über das Schnarchen spricht es sich tagsüber leichter als um zwei Uhr nachts.Bild: KI-generiert

Wenn Sie ihn zu einem Arzttermin bewegen möchten, würde ich es mit Sorge statt mit Druck versuchen. Erzählen Sie ihm, was Sie nachts beobachten, und bieten Sie an mitzukommen. Wer das Schnarchen miterlebt hat, darf es in der Praxis schildern, das ist sogar erwünscht 5.

Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten

Ein Termin in der Hausarztpraxis ist sinnvoll, wenn Sie nachts Atemaussetzer, Japsen oder Würgegeräusche bemerken oder wenn Ihr Partner tagsüber auffallend müde ist 4. Das gilt auch, wenn seine eigenen Versuche nichts ändern oder das Schnarchen Sie beide stark belastet 4. Nickt er beim Autofahren ein, sollte er sich nicht mehr ans Steuer setzen, bis die Müdigkeit geklärt und behandelt ist 5.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Schnarchen und Schlafapnoe?

Schnarchen allein gilt als harmlos. Bei einer Schlafapnoe setzt die Atmung im Schlaf immer wieder länger als zehn Sekunden aus, oft kommt starke Müdigkeit am Tag dazu. Ob das so ist, lässt sich mit einer Messung über Nacht klären.

Warum schnarcht er trotz Seitenlage?

Die Rückenlage begünstigt das Schnarchen, ist aber selten die einzige Ursache. Auch Übergewicht, Alkohol am Abend, eine verstopfte oder enge Nase und der Bau von Rachen und Kiefer können dahinterstecken. Wer auch auf der Seite laut schnarcht, lässt die Ursache am besten in der Praxis untersuchen.

Schnarchen Männer häufiger als Frauen?

In Befragungen geben Männer etwas häufiger an zu schnarchen, und eine Schlafapnoe kommt bei ihnen öfter vor als bei Frauen. Frauen schnarchen aber ebenfalls. Für sie gelten dieselben Warnzeichen wie Atemaussetzer und starke Müdigkeit am Tag.

Welche Liegeposition ist beim Schnarchen am besten?

Auf der Seite schnarchen die meisten leiser als auf dem Rücken. Ein Tennisball im Rücken des Schlafanzugs oder ein Keilkissen kann helfen, nicht in die Rückenlage zu rollen. Wie viel das im Einzelfall bringt, ist allerdings verschieden.

Kann man auch mit geschlossenem Mund schnarchen?

Ja. Das Geräusch entsteht, wenn Zunge, Rachen oder die Atemwege in der Nase beim Atmen flattern, nicht nur durch einen offenen Mund. Ein Kinnband ist deshalb nur gedacht für Menschen, denen der Mund nachts aufklappt.

Über Julia

Julia schreibt für Gesundroutine. Sie ist keine Ärztin: Jeder Artikel stützt sich auf verlinkte Studien und Fachquellen und ersetzt keinen Arztbesuch.

Mehr über mich

Quellen

  1. Deutsches Ärzteblatt International (2019): The Diagnosis and Treatment of Snoring in Adults (Stuck BA, Hofauer B)
  2. IQWiG / gesundheitsinformation.de (2026): Obstruktive Schlafapnoe
  3. IQWiG / gesundheitsinformation.de (2026): Behandlung einer obstruktiven Schlafapnoe
  4. NHS (2023): Snoring
  5. NHS (2026): Sleep apnoea

Stand: 9. Oktober 2026. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.