Kniebandage bei Knieschmerzen: Was sie bringt und wie lange Sie sie tragen
Eine Kniebandage kann manchen Menschen mit Kniearthrose etwas Halt geben. In Studien hatten Trägerinnen und Träger im Schnitt etwas weniger Schmerzen, die Studien sind aber nicht sehr belastbar. Eine feste Stundenzahl pro Tag gibt es nicht, als vorsichtiger Anhaltspunkt gilt: kurz anfangen, langsam steigern und jeden Tag nach der Haut schauen.
Sie stehen unten an der Treppe, in jeder Hand eine Einkaufstasche, und wissen schon, welches Knie sich beim Hinuntergehen melden wird. In der Schublade liegt eine Bandage. Sie haben sie ein paarmal getragen, dann ist sie beim Gehen Richtung Wade gewandert, und zum Anziehen musste jedes Mal erst die Hose runter. Seitdem liegt sie da, und Sie fragen sich, ob sie überhaupt etwas bringt.
Die ehrliche Antwort ist ein vorsichtiges Ja, mit Einschränkungen. Eine feste Zahl, wie viele Stunden am Tag erlaubt sind, gibt es nicht. Ein paar einfache Regeln helfen aber, die Bandage sinnvoll zu nutzen.
Was eine Kniebandage ist und was nicht
Eine Kniebandage ist ein elastischer Schlauch aus Stoff, der eng um das Knie liegt. Viele haben vorne eine Öffnung oder ein weiches Polster für die Kniescheibe. Davon zu unterscheiden ist die Orthese. Das ist eine Knieschiene mit festen Stäben oder einem Gelenk an der Seite, die meist nach einer Verletzung, einer Operation oder bei einem sehr wackeligen Knie verordnet wird.
Die Bandage hält das Knie also nicht fest wie ein Gips. Sie drückt gleichmäßig von außen und hält warm. Manche Menschen fühlen sich damit auf der Treppe oder beim Spaziergang sicherer, andere merken kaum einen Unterschied.
Was Studien über Kniebandagen sagen
Am meisten weiß man über die Bandage bei Arthrose im Knie, also wenn der Knorpel im Gelenk dünner geworden ist. Eine Forschergruppe hat dazu elf Studien gemeinsam ausgewertet 3. Wer eine weiche Bandage trug, hatte im Schnitt mäßig weniger Schmerzen, sowohl direkt beim Tragen als auch über längere Zeit 3. Die Teilnehmenden kamen nach eigener Einschätzung auch im Alltag etwas besser zurecht 3. Die Forscher selbst bewerten die Qualität der Studien allerdings als niedrig und wünschen sich bessere Untersuchungen 3.
Bei den festen Knieschienen ist das Bild noch unklarer. Eine Übersicht der Cochrane-Organisation, die Studien besonders streng prüft, hat 13 Studien mit zusammen 1.356 Menschen ausgewertet 4. Für Schienen bei Arthrose an der Innenseite des Knies fanden die Fachleute keinen eindeutigen Nutzen für Schmerz und Beweglichkeit 4. In der einzigen gut auswertbaren Studie, die eine Schiene mit gar keiner Behandlung verglich, gab es nach einem Jahr keinen Unterschied. In beiden Gruppen hörten viele mit der Behandlung auf, weil sie ihnen nichts brachte 4.
Das unabhängige Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sieht es nüchtern. Orthesen und Schuheinlagen gelten dort als risikoarme Hilfen, die man ausprobieren kann, ihre Wirkung ist aber nicht gut erforscht 1. Für Sie heißt das, dass ein Versuch nicht schadet. Ob die Bandage Ihnen persönlich etwas bringt, merken Sie am ehesten im eigenen Alltag.
Mein Tipp: Notieren Sie sich eine Woche lang, wann Sie die Bandage tragen und wie sich das Knie auf der Treppe oder beim Spaziergang anfühlt. Danach sehen Sie auf einem Blatt, ob sie Ihnen hilft, und haben für den nächsten Arzttermin etwas in der Hand.

Wie lange am Tag darf ich die Bandage tragen?
Mich hat überrascht, dass keine der Quellen, die ich gelesen habe, eine feste Stundenzahl nennt. Eine Grenze wie „höchstens vier Stunden“, die für alle gilt, gibt es also nicht. Was es gibt, sind Erfahrungsregeln aus der Versorgung mit Kniestützen.
Ein Merkblatt eines englischen Krankenhauses für angepasste Kniestützen rät, langsam anzufangen. Am ersten Tag tragen Sie die Stütze etwa 30 Minuten, danach jeden Tag eine halbe Stunde länger, sofern in der Praxis nichts anderes besprochen wurde 5. So können sich Haut und Muskeln an den Druck gewöhnen 5. Hat Ihnen jemand die Bandage angepasst und eine Tragezeit genannt, gilt diese Angabe 5. Für eine einfache Bandage aus dem Sanitätshaus ist dieser Plan keine Vorschrift, aber ein vorsichtiger Anhaltspunkt.
Im Alltag halte ich es für einen vernünftigen Weg, die Bandage dann anzuziehen, wenn das Knie arbeiten muss. Das kann der Einkauf sein, der Gang zum Bäcker, die Stunde im Garten oder das Treppenhaus zur Wohnung. Abends auf dem Sofa darf das Knie auch ohne sein. Zum Tragen in der Nacht habe ich für einfache Bandagen keine Regel gefunden. Fragen Sie dazu am besten in Ihrer Praxis nach.
Wichtiger als die Uhr ist Ihre Haut. Schauen Sie jeden Tag nach, ob sie unter der Bandage gerötet oder entzündet ist 5. Drückt die Bandage an einer Stelle oder wird eine Stelle empfindlich, lassen Sie den Sitz prüfen 5.
Wie eng soll sie sitzen, und was tun, wenn sie rutscht?
Die Bandage gehört direkt auf die Haut und soll fest, aber angenehm sitzen 5. Schnürt sie ein oder fühlt sich das Bein darunter unangenehm an, ziehen Sie sie aus und lassen die Größe kontrollieren.
Beim Anlegen hilft Folgendes:
- Setzen Sie sich hin und ziehen Sie die Bandage wie einen Strumpf über den Fuß. Das geht deutlich leichter, bevor die Hose an ist.
- Rollen oder schieben Sie sie bis zum Knie hoch, sodass die Öffnung oder das Polster mittig auf der Kniescheibe liegt.
- Streichen Sie Falten in der Kniekehle glatt, denn dort drückt es beim Hinsetzen zuerst.
Rutscht die Bandage beim Gehen nach unten, lassen Sie Ihr Bein im Sanitätshaus nachmessen. Ober- und Unterschenkel verändern sich mit den Jahren, und eine Bandage leiert mit der Zeit auch aus. Waschen Sie Stoffbandagen von Hand mit mildem Waschmittel, lassen Sie sie an der Luft trocknen und geben Sie sie nicht in den Trockner 5.
Die Bandage ersetzt keine Bewegung
Wenn das Knie wehtut, liegt der Gedanke nahe, es zu schonen. Das ist ein ganz natürlicher Reflex. Die Fachleute des IQWiG raten trotzdem, das Knie in Bewegung zu halten 1. Übungen, die die Muskeln rund ums Knie kräftigen, gelten dort als die wichtigste Behandlung 1.
Fachleute halten zwei bis drei Übungsrunden pro Woche für ideal, jeweils etwa eine Dreiviertelstunde. Das muss niemand am Anfang schaffen, kleiner anfangen und nach und nach steigern ist ausdrücklich in Ordnung 2. Schon ein paar Minuten am Küchenstuhl sind ein Anfang, zum Beispiel aufstehen, ohne die Hände zu Hilfe zu nehmen 2. Wer einige Wochen dabeibleibt, kann merken, dass die Schmerzen nachlassen 2.

Leichte Schmerzen beim Üben, die rasch wieder vergehen, sind laut IQWiG kein Grund aufzuhören 2. Zu viel war es, wenn der Schmerz auf einer Skala von 0 bis 10 über 5 liegt, wenn er Stunden anhält oder wenn das Knie am nächsten Tag geschwollen ist 2. Dann nehmen Sie weniger Wiederholungen oder leichtere Übungen 2. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Physiotherapie verordnen, dort lernen Sie die Übungen unter Anleitung 2.
Wenn die Bandage Ihnen hilft, überhaupt loszugehen, ist sie ein guter Begleiter. Sie bleibt aber eine Halt-Hilfe. Übungen, Physiotherapie und ärztlichen Rat ersetzt sie nicht.
Wann Sie zur Ärztin oder zum Arzt gehen sollten
Wenn Knieschmerzen neu sind, Sie im Alltag deutlich einschränken oder trotz Bandage und Übungen nicht besser werden, lassen Sie das Knie anschauen. Erste Anlaufstelle ist meist die Hausarztpraxis 1. Nach einem Sturz kann ein Röntgenbild nötig sein, um einen Bruch auszuschließen 1. Blutwerte oder Bilder sind auch dann sinnvoll, wenn eine andere Erkrankung wie Gicht oder Rheuma hinter den Beschwerden stecken könnte 1. Und wenn die Bandage Druckstellen macht, ist das ebenfalls ein Grund, den Sitz in der Praxis oder im Sanitätshaus prüfen zu lassen 5.
Häufige Fragen
Hilft eine Kniebandage bei Arthrose?
In Studien hatten Menschen mit Kniearthrose mit einer weichen Bandage im Schnitt etwas weniger Schmerzen, die Studien sind aber nicht sehr belastbar. Ein Versuch gilt als risikoarm. Die Übungen für die Muskeln rund ums Knie ersetzt die Bandage nicht.
Darf ich die Kniebandage nachts tragen?
Für einfache Bandagen gibt es dazu keine allgemeine Regel. Wenn Ihnen beim Anpassen eine Tragezeit genannt wurde, halten Sie sich daran. Sonst fragen Sie in Ihrer Praxis nach.
Wie eng muss eine Kniebandage sitzen?
Fest, aber angenehm. Sie soll nicht einschnüren und keine Druckstellen machen. Schauen Sie jeden Tag nach Ihrer Haut und lassen Sie den Sitz prüfen, wenn sie gerötet oder empfindlich ist.
Was tun, wenn die Kniebandage rutscht?
Häufig passt dann die Größe nicht mehr oder die Bandage ist ausgeleiert. Lassen Sie Ihr Bein im Sanitätshaus nachmessen. Achten Sie beim Anlegen außerdem darauf, dass die Öffnung mittig auf der Kniescheibe liegt.
Über Julia
Julia schreibt für Gesundroutine. Sie ist keine Ärztin: Jeder Artikel stützt sich auf verlinkte Studien und Fachquellen und ersetzt keinen Arztbesuch.
Mehr über michQuellen
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de (2024): Kniearthrose (Gonarthrose)
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de (2024): Was kann ich selbst tun, um meine Knie zu stärken?
- Archives of Physical Medicine and Rehabilitation (2018): Effect of Soft Braces on Pain and Physical Function in Patients With Knee Osteoarthritis: Systematic Review With Meta-Analyses (Cudejko T et al., PMID 28687317)
- Cochrane Database of Systematic Reviews (2015): Braces and orthoses for treating osteoarthritis of the knee (Duivenvoorden T et al., PMID 25773267)
- North Tees and Hartlepool NHS Foundation Trust (2023): Knee Support and Brace Information
Stand: 13. Oktober 2026. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
